Blick auf den Schuppen

Da sitze ich hier nun nach dem erstem Monat im Garten mit meinem Tablet im Liegestuhl auf der überdachten Terrasse und schreibe am ersten Blogeintrag. So ziemlich genau so habe ich mir das vorher immer vorgestellt. Die Gedanken sind einfach freier, wenn sie nicht von Betonwänden umgeben sind und man den Wind in den Blättern rascheln hört.

Sehnsucht nach dem Grünen

Das mag nun alles ein wenig kitschig klingen, aber meine Sehnsucht nach einer grünen Oase als Erholungsort war doch in letzter Zeit sehr groß. Schon als Kind liebte ich es draußen zu sein, die Natur zu entdecken und von Tieren umgeben zu sein. Der Wunsch nach einem Garten und der dazugehörigen Gartenarbeit kam erst später. Zunächst schreckte mich diese Arbeit sehr ab, da ich als Jugendliche im Einfamilienhaus aufwuchs und sah, wieviel Arbeit meine Mutter doch auch mit dem Garten hatte. Und wie so oft, wenn es nicht das eigene ist und die Gartenarbeit quasi aufgezwungen ist, macht es noch viel weniger Spaß. Seit ca. 4 Jahren begleitet mich meine Labradorhündin Luna und ich glaube, dass auch ihre Anwesenheit mich der Natur wieder ein Stückchen näher gebracht hat. Ich freue mich so sehr, dass ich dieses kleine Paradies nun mit ihr teilen kann und ihre Freude darüber zeigt sie mir nicht selten.

Schneller als gedacht

Alles angefangen hat es mit unserer Nachbarin und dem Frauchen einer Boxerhündin, Lunas bester Freundin. Diese hatte uns auf eine Kleingartenanlage in Pankow aufmerksam gemacht, die nur wenige Autominuten entfernt ist. Als sie dann im April glückliche Gartenbesitzerin wurde, besuchten wir sie natürlich und bestaunten ihren tollen Garten. Die beiden Hunde toben freudig hin und her und wir saßen auf ihrer Terrasse und genoßen die Ruhe. Da wusste ich – genau das möchte ich auch. Einen Ort, an dem ich die Seele baumeln lassen kann, keine Flugzeuge höre und mich kreativ ausleben kann.

Der Traum wird wahr

Zu unserem Glück wurde nur wenige Monate später ein Garten frei, sodass wir am 1. Juli die Schlüssel zu unserer Oase in den Händen hielten. So richtig fassen konnte ich es noch nicht. Aufgrund der Verwilderung und der der vielen Arbeit, die getan werden muss, übernahmen den Garten zu einem Spottpreis.
Auf den ca. 500m2 Garten befindet sich eine Gartenlaube, ein alter Schuppen mit Sanitäranlagen und ein altes Gewächshaus, in welches ich mich von Anfang an verliebt hatte. Doch auch pflanzentechnisch bietet uns der Garten bereits einiges an: Fünf Apfelbäume, eine Quitte, ein Pfirsichbaum und ein Pflaumenbaum, welcher an der Grenze zu unseren Nachbarn steht, versüßen uns bereits den Kleingarten. Das alte Gewächshaus war von Anfang an mein Liebling. Ich freu mich schon sehr, darauf im nächsten Jahr Tomaten und sonstiges dort anzupflanzen. Drei kleine Tomaten, die uns die Nachbarin geschenkt hat, haben das Häuschen bereits eingeweiht.

Viel zu tun

Meine ersten Stunden allein im Garten, hatte ich bereits am nächsten Tag, als ich von der Arbeit hinfuhr und auf meinen Freund wartete, der später mit Luna dazustoßen wollte. Da stand ich nun, allein auf weiter Flur und wusste nicht wohin mit mir. Zu der anfänglichen Euphorie gesellte sich Ohnmacht, sodass ich auf der Terrasse stand und nicht wusste, was ich machen sollte. Wo fang ich an? Ist es doch zu viel? Ich hoffe jetzt einfach mal, dass ich nicht die einzige Kleingärtnerin bin, der es so ging. Doch was ich bereits in einem Monat Laubenpieperin gelernt habe, ist, dass man für so ein Projekt auch viel Geduld braucht. Ich war ja der Annahme, dass ich durch meine Hündin bereits in Geduld geübt bin, doch so ein Garten ist da nochmal ein anderes Kaliber. Während also meine innere Perfektionistin völlig überfordert war, übte ich mich darin, mir zu sagen, dass alles seine Zeit braucht und der Weg das Ziel ist. Und genau das ist ja eigentlich auch das, was mir so einen Spaß macht: Dinge sich entwickeln und wachsen sehen. Doch auch die ersten Besuche überforderten mich ein wenig. Das Gefühl den Gästen nichts anbieten zu können und selbst noch gar nicht wirklich angekommen zu sein beschlich mich immer mehr. Kommentare wie „Na, das is‘ ja ganz schön viel Arbeit, die ihr da noch vor euch habt“, machten die Angelegenheit nicht besser.

Ankommen

Mittlerweile habe ich für mich festgelegt, dass ich längere Besuche erst willkommen heißen möchte, wenn auch ich mich richtig angekommen fühle und die groben Utensilien vorhanden sind. Dazu gehören für mich, das Schlafzimmer als ersten Raum fertig zu renovieren und einen richtigen Tisch und Stühle für die Terrasse zu organisieren. Momentan genieße ich es auch einfach noch zu sehr, den Garten ganz für mich allein (Freund und Hund zählen da nicht) zu haben. Als kleinen Rückzugsort – als meine kleine grüne Oase einfach.